Weidenrinde – eine Heilpflanze mit großer Tradition

Die Weidenrinde ist eine der ältesten Heilpflanzen der Menschheit und wurde bereits in der Steinzeit als Arznei genutzt. In der Antike beschrieben bedeutende Ärzte und Gelehrte wie Hippokrates, Plinius, Pedanius, Dioskurides und Galen die Wirkung von Weidenrinde gegen verschiedene Beschwerden. Auch für die legendäre Heilerin des Mittelalters, Hildegard von Bingen, gehörte die Weidenrinde zum Repertoire.

Bis zur fortgeschrittenen Neuzeit war das Weidenrindenextrakt ein weitverbreitetes Heilmittel und wurde unter anderem von Wanderärzten, Schäfern, Kräuterfrauen und Hebammen verwendet. Vor allem aufgrund ihrer fiebersenkenden und lindernden Wirkung gegen Kopfschmerzen wurde Weidenrinde geschätzt. Nachdem heute die Grenzen der Schulmedizin im Westen zunehmend erkannt werden, setzt in der Medizin ein Umdenken ein und damit eine Rückbesinnung auf die Kraft von Heilpflanzen.

Ein biegsames und anpassungsfähiges Gewächs

Eine hohe Anpassungsfähigkeit zeichnet die Weidenrinde aus, die als typisches Auengewächs in allen Klimazonen verbreitet ist. Weltweit sind von dem Gewächs rund 450 Arten bekannt. Mit einem feingliedrigen und überaus dichten Wurzelsystem ist sie auf vielfältige Weise mit ihrer Umgebung verflochten. Der deutsche Begriff „Weidenrinde“ ist eine Weiterentwicklung aus dem althochdeutschen Sprachgebrauch. Er geht aus dem althochdeutschen Nomen „wida“ hervor, das mit „die Biegsame“ übersetzt wird und damit eine markante Eigenschaft des Gewächses beschreibt.

Ein vielfältiger Wirkmechanismus

Als Heilpflanze zeichnet sich die Weidenrinde durch einen vielfältigen Wirkmechanismus aus, denn sie wirkt analgetisch (schmerzstillend), antipyretisch (gegen Entzündungen), antioxidativ (als Fänger der Freien Radikalen), antirheumatisch, antiseptisch (entkeimend) und knorpelprotektiv. Diese knorpelprotektive Eigenschaft ist nicht zuletzt für Arthrosepatienten von Bedeutung.

Für die heilende Wirkung der Weidenrinde ist besonders das Glucosid Salicin verantwortlich, das im Darm zu Saligenin deglucosyliert und danach zur Salicylsäure oxidiert. Neuere Forschungen belegen, dass die Salicylsäure erst im Zusammenspiel mit anderen Inhaltsstoffen der Weidenrinde ihre volle Wirkung entfaltet. Synergieeffekte entstehen vor allem in der Kollaboration mit den Flavonoiden. Mit den Phenolheterosiden schützt sich die Weidenrinde vor dem Befall von Pilzen und Bakterien. Auch beim Menschen können sie zur Abwehr von Schädlingen beitragen.

Die Salicylsäure ist die Basis von Aspirin

Im Jahre 1828 gelang es dem Apotheker Johann Andreas Buchner, das Phenol Salicin aus der Weidenrinde zu extrahieren. Ungefähr um diese Zeit gelang dem Apotheker Pierre-Joseph Leroux dasselbe, der die Säure danach nach der Weide benannte (salix = Weide). Zahlreiche Untersuchungen der verschiedenen Arten von Weidenrinden belegten graduelle Unterschiede in Bezug auf die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Den höchsten medizinischen Wert besitzen vermutlich die Purpurweide, Reifweide und Bruchweide, denn sie weisen die höchsten Salicylsäure-Derivate auf. Die moderne Medizin machte sich die Wirkung der Salicylsäure nutzbar. Auf diese Weise ist sie beispielsweise der Grundstoff der weltberühmten Kopfschmerztablette Aspirin.

Moderate Effekte in einer Studie gegen Arthrose

Um die klinische Wirksamkeit der Weidenrinde gegen Arthrose zu untersuchen, wurde in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie von Schmid 39 Betroffenen der Arthrose 14 Tage lang ein Weidenrindenextrakt mit jeweils 240 mg Salicylsäure pro Tag verabreicht. Am Ende der Studie besserten sich die Symptome der mit Weidenrinde behandelten Patienten um 14 % gegenüber 2 % aus der Placebogruppe. Der Unterschied ist signifikant, aber nicht spektakulär. Möglicherweise hätte eine längere Dauer der Studie die Ergebnisse noch verbessert.

Da Weidenrinde zudem ein günstiges Nebenwirkungsprofil aufweist, spricht nichts gegen eine Anwendung bei Arthrose. Nach einem Befund der Stiftung Warentest ist Weidenrinde sogar bei leichter Arthrose geeignet. Die Heilpflanze kann Patienten eine Linderung verschaffen. Die Einnahme sollte allerdings nicht mit unrealistisch hohen Erwartungen verknüpft werden. Lernen Sie auch die Kraft anderer alternativer Heilmethoden wie CBD und MSM kennen.